Die Pfarrkirche von Christnach

Dass die Pfarrkirche in Christnach auf Fundamenten eines heidnischen Tempels, und später einer frühchristlichen Kirche aus der Römerzeit, steht, hat schon Professor Jean Engling in seiner 1857 veröffentlichten Archäologisch-statistische Darstellung der Gemeinde Waldbillig festgehalten.

Im Livre d’or du 50e anniversaire de la Chorale Ste Cécile Christnach ist Folgendes zu lesen:

« Unsere Pfarrkirche erhebt sich auf hügeliger Anhöhe inmitten der Ortschaft, deren Häuserreihen von der Kirche aus fast kreuzförmig nach verschiedenen Richtungen ausstrahlen . Ihr Standort ist reich an gallorömischen Funden, an Erd- und Menschenschicksal. (…)

Auf dieser Anhöhe hatten unsere Vorfahren, seit altersgrauer Zeit, da sie noch Heiden waren, einen Tempel zu Ehren der Jagd- und Waldgöttin Diana errichtet. Bei der Christianisierung unserer Gegend mag der Christnacher Dianatempel infolge seiner ländlichen Einsamkeit der allgemeinen Zerstörung entronnen sein, welche Konstantin, der erste christliche Kaiser und seine Nachfolger angeordnet hatten. Später sank der Tempel unter der Einwanderung der Nordvölker und wohl auch durch die Bemühungen eifriger Religionsverkünder in Trümmern. Noch im Jahre 1917 fand man beim Ausgraben einer Grabstätte, das Bruchstück einer Vase, heute im Museum zu Luxemburg, das zurückdatiert in das 3. oder 4. Jahrhundert und zwei Priester mit zwei Opferknaben darstellt, welche auf die Zubereitung eines der Göttin Diana bestimmten Opfers andeuten.

Im 6. Jh. kam der hl. Einsiedler Wulfilakus in das trierische Land und mit Hilfe glaubenseifriger Benediktinermönche suchte er die Bewohner jener Gegend für Christus zu gewinnen. Diese gottseligen Glaubensboten durchzogen unter vielen Gefahren das Land Arduenna und kamen auch in die Gegend der heutigen Ortschaft Christnach, um das Bekehrungswerk an den hier ansässigen Römern und Galliern zu versuchen. (…)

Christnach wird 751 zum ersten Mal in einem offiziellen Akt erwähnt, wo die noch kleine Ansiedlung durch Schenkung von Casilo von 751 – 768 an das Kloster von Echternach kommt.

Im Jahre 1570 lag um die Kapelle bereits ein Friedhof. Der jeweilige Pfarrer von Waldbillig war verpflichtet, alle 14 Tage in Christnach Gottesdienst zu halten. Für geleistete Dienste erhielt er von jedem dortigen Ehepar jährlich 2 Sester Hafer.

Nicht wunderlich ist es, dass, infolge der frühzeitigen Römeransiedlungen, die Kapelle einem römischen Heiligen, dem Heiligen Sebastian, geweiht wurde. (…)

Im Jahre 1636, als die Pest in Heffingen ausgebrochen war, gelobten die Bewohner von Heffingen, dem hl. Sebastian jährlich reihum in Christnach und Fels eine Wachskerze zu opfern. Dieses Gelübde erfüllten ihre Nachkommen bis in die jüngste Zeit mit gewissenhafter Treue.

Im Jahre 1656 war die Ortschaft Christnach bereits auf 11 Haushalte angewachsen.

Im Jahre 1738 residierte vorübergehend und gegen den Willen des Pfarrherrn von Waldbillig in Christnach ein Kaplan. (…)

Im Jahre 1784 hatte Christnach, wenn früher nur 11 dann jetzt bereits 20 Gehöfte und erhielt bald einen eigenen Kaplan. (…)

Als 3. und letzter Kaplan wird Jakob Eschweiler  (1804 – 1807) angeführt.  Im Jahre 1807, dem Jahre seines Abschiedes von Christnach hatte er das Chor der Kirche, die im byzantinischen Stil erbaut war, in Korbbogenform renoviert und die beiden Chorecken ausgemauert in der heutigen Form. Auch heute noch kann man vom Dachgestühl der Kirche herab die ausgemalten Ecken der alten Kirche erkennen. »

In diesem Jahr wurde die Kirche renoviert. Die Sakristei wurde modernisiert, und der Innenraum der Kirche frisch gestrichen. Eine moderne Hackschnitzelanlage befindet sich jetzt unter dem kürzlich vor dem Kircheneingang erbauten Kiosk. Sie versorgt die Kirche, das Pfarrhaus sowie auch die neugebauten Mehrfamilienhäuser auf dem Grundstück der ehemaligen Schule mit Wärme.

Die letzte, große,  Renovierung der Christnacher Kirche liegt schon 60 Jahre zurück. Dach und Turm, waren nach der Ardennenoffensive 1944/1945 durch Granateinschläge schwer beschädigt und mussten erneuert werden.  Auch der Innenraum (Boden, Treppe zur Emporte, Kassettendecke, Triumphbogen des Chores,  indirekte Beleuchtung) wurde neugestaltet.

Aus dem Buch von Norbert Thill »Bekannte und verborgene Schönheiten in Luxembourg (Band 4) » ist Folgendes zur dieser Renovierung der Christnacher Kirche zu entnehmen : « Am 15. März  1953 wurde die renovierte Kirche vorgestellt und zugleich die neue Orgel eingeweiht. (…) Die Orgel wurde vom Domorganisten Albert Leblanc vergestellt mit Werken von Bach, Franck und Leblanc. Der Cäcilienchor beteiligte sich an der Feier (… ). Die Kirche von Christnach gehört zu den – leider immer seltener werdenden – Dorfkirchen, die noch von einem Friedhof umgeben sind. »

In diesem langen Artikel rühmt Norbert Thill die außerordentliche Schönheit der drei polychromierten, aus Holz geschnitzten Altäre und widmet deren detaillierte Beschreibung mehrere Seiten. Die Christnacher Kirche verfügt mit diesem spätbarocken  Holzwerk über ein « Prunkstück », und er rät einen Besuch des lichtdurchfluteten Kirchenraumes mit seiner bemerkenswerten Innenausstattung an.

 

Isabelle Oberlé