Pfarrkirche und Pfarrei Waldbillig

Als erstmalige schriftliche Erwähnung einer Kirche in Waldbillig gilt das Datum vom 6. Juli 1239. Damals übertrug Ritter Arnold von Fels das Patronatsrecht über die Kirche und Pfarrei Waldbillig an das Kloster Marienthal. Dass der Ursprung der Waldbilliger Pfarrei viel weiter zurückliegt, muss man annehmen. Allein der Kirchenpatron, der hl. Petrus, beweist eine sehr frühe Gründung, denn gemeinsam mit den Heiligen Paulus, Martinus und Johannes dem Täufer handelt es sich um einen der ältesten Kirchenpatrone unseres Landes.

Ob es sich bei der 1239 in einer Akte erstmals genannten Kirche um das erste Gotteshaus in Waldbillig handelt, ist nicht bewiesen. Das erwähnte Datum gibt aber keinen Anhaltspunkt über das Alter des damaligen Gotteshauses. Die Wahl des hl. Petrus zum Kirchenpatron ist ein Beweis dafür, dass das Gebiet um Waldbillig frühzeitig christianisiert wurde. Durch Schenkungen der adeligen fränkischen Besitzer kamen die Ortschaften der Pfarrei Waldbillig, Christnach und Haller an das Kloster in Echternach (nach 768 respektiv 814). In Schenkungsurkunden wurden bestehende Kirchen nicht genannt.

Im 10. und 11. Jahrhundert entstanden die adeligen Herrschaftssitze von Befort und Fels. Auf Kosten der Klöster bemächtigten sich die neuen Herren deren Grundbesitzes und vergrösserten dadurch ihre eigenen Herrschaften. Nach dem Feudalrecht, eigneten sich die adeligen Herrschaften das Patronatsrecht der Pfarreien an, d.h. sie ernannten ihnen genehme, weltliche Pfarrer an die Spitze der ihnen unterstehenden Pfarreien.

Das Patronatsrecht der Pfarrei Waldbillig mit den Filialen Christnach und Haller, bekamen die Herren von Fels. Unter Pfarrer Dominik Pfaltz, von 1659-1688 Pfarrer in Waldbillig, wurde kurz vor 1677 eine Kapelle an die Pfarrkirche angebaut. Diese Kapelle mit dem Titel „ Salus infirmorum“, (Heil der Kranken) befand sich neben dem Chor, an der Stelle wo sich heute die Sakristei befindet.

Der Jesuit, Historiker und Theologe Alexander Wiltheim (1604-1684), Rektor am Jesuitenkollegium in Luxemburg, gilt als Vater der luxemburgischen Archäologie. Zwischen 1630 und 1682 verfasste er das rund 1000 Seiten starke Buch „Luciliburgensia Romana.“ Es dauerte bis 1842, als Dr Auguste Neyen (1809-1882) die Erstausgabe des umfangreichen Manuskriptes, unter dem Titel „ Luxemburgum Romanum“ veröffentlichen liess. Leider musste sich Neyen auf eine Abschrift berufen, welche schwere Mängel aufwies, wie sich Jahre später herausstellte, als das Originalmanuskript 1849 im Privatbesitz von Gouverneur Ignace de la Fontaine (1787-1871) auftauchte.

Wir bringen in deutscher Übersetzung, Auszüge des lateinischen Textes von A. Wiltheim über das römische Grabdenkmal des C. Sattonius in Waldbillig:

„ ( es ist) … bei weitem das edelste und vergleichbar durch seine Grösse und die Schönheit seiner Form mit demjenigen der Secundinii in Igel … – das bekannte Dorf Billiacum, das wir in unserer Muttersprache gemeinhin Waldtbillich nennen. Wir reihen diesen sehr alten Ort, der ohne Zweifel einen antiken Namen trägt, zu den römischen Villen, mit umso grösserer Glaubwürdigkeit, da bedeutende Reste römischer Antiquitäten hier vorhanden sind. Diese Reste sind heute wahrlich verstreut und hier und da in die Mauern der Kirche eingefügt, aber es ist unschwer sie gedanklich zusammen zu fügen und einem einzigen Werk zuzuteilen, vorausgesetzt, man hat beständig das Denkmal von Igel vor Augen.

-… Dasjenige von Billiacum besitzt ebenfalls vier Kapitelle (Kopfstücke von Säulen, Pfeilern oder Pilaster) – [davon bleiben drei] und drei Fragmente von Pilastern, welche sich durch die Gegenwart von Genien (Mz. von Genius = Schutzgeist, in der Kunst oft geflügelt dargestellt) auszeichnen… Dort (in Igel) gibt es unter den Statuen eine Inschrift mit aussergewöhnlich grossen Lettern; hier (in Waldbillig) ebenfalls, es bleibt ein Teil der Inschrift mit einem halben Fuss (=15cm) hohen Schriftzeichen. Die andern Flächen des Igeler Denkmals, sind überall zwischen den Pfeilern mit Skulpturen geschmückt; unseres ist überall geschmückt mit Weinranken von ausserordentlicher Qualität und von Genien die im Begriff sind Weintrauben zu lesen … Das Architrav (=Epistyl, unmittelbar auf den Säulen ruhender Querbalken) des hiesigen besteht teilweise, wenn ich nicht irre, aus der Darstellung von zwei Schweinen. Desweiteren, um einen Zusammenhang der gleichen Grösse des einen und des andern Denkmals zu beweisen, gibt es die Kapitelle von Billiacum, welche genau dieselben Abmessungen aufweisen wie jene von Igel, genau wie unsere Pilasterfragmente hier in Billiacum, besonders selbstverständlich, wenn man ihre Breite in Betracht zieht. Fügen wir hinzu, dass die einen wie die andern Statuen die gleiche Grösse haben; die Schriftzeichen sind hier sogar grösser als da. Aber, um zu beweisen, dass es sich um eine grosse Masse handelte, genügt es eine der Seiten der Kirche zu betrachten in welche die Blöcke eingefügt wurden; sie besteht einerseits aus einer Zusammenfügung von sehr grossen Steinen bedeckt mit Reliefs und andererseits aus vierkantig behauenen Steinen ohne Reliefs , kreuz und quer und ohne Zusammenhang von einer unerfahrenen Hand neben- und aufeinander gelegt [natürlich nachdem das herrliche Monument zufällig zusammen gestürzt oder mit Gewalt abgerissen wurde]… Dass diese Überreste nicht Teil von mehreren Denkmälern sind, aber zu einem einzigen gehören, scheint gewiss … die Natur der Steine, Sandsteine von der Zeit geschwärzt, sprechen zu Gunsten dieser Hypothese.“ Soweit der Augenzeuge Alexander Wiltheim.

Die Igeler Säule (zwischen Wasserbillig und Trier) gehört zum Typ der Grabtürme und besteht aus mehreren Geschossen, mit einem Dach versehen, stellt sie somit einen Hausbau dar. Dass das 22 Meter hohe Bauwerk über 18 Jahrhunderte überstanden hat, verdankt es einer Fehldeutung. Das Hauptrelief auf der Vorderseite wurde für eine Darstellung der Vermählung des römischen Kaisers Konstantin mit Helena gehalten. Dadurch, dass Helena in der ganzen Trierer Gegend als Heilige verehrt wird, traute sich niemand das imposante Denkmal nieder zu legen.

Die von A. Wiltheim beschriebenen Überreste des Sattonius Denkmals, welche in den Aussenmauern der alten Waldbilliger Pfarrkirche sichtbar eingemauert waren, wurden von Wiltheim eigenhändig gezeichnet und sind die einzigen uns erhalten gebliebenen Spuren eines unwiederbringlich verschwundenen imposanten Römerdenkmals aus Waldbillig.

Als Pfarrer Nicolas Grethen am 9. Juli 1777 in Waldbillig installiert wurde, protestierte er gegen den baufälligen Zustand der Kirche und des Pfarrhauses. Während seiner kurzen Amtszeit (1777-1785) wurde die alte Pfarrkirche abgetragen und die heutige an derselben Stelle erbaut. Über dem Eingang des Neubaus befand sich folgendes Chronogramm: TeMpLI sanCtI DeI IngressVs egressVsqVe sanCtVs habeatVr = 1779. Dieses Chronogramm ist nach einer Renovierung im Jahre 1966 zerstört worden, also nicht mehr vorhanden.

Dass die Pfarrkirche von vor 1777 zu einem Grossteil aus den Überresten eines grossen, römischen Denkmals errichtet war, bezeugte ebenfalls ein achtzigjähriger Augenzeuge namens Machaelis aus Waldbillig. Er erklärte Professor Jean Engling, geboren am 13. Oktober 1801 in Christnach und am 13. März 1888 in Luxemburg-Limpertsberg verstorben, dass die alte Pfarrkirche „grösstenteils und zur Mittagsseite sogar stückweise ganz aus Steinen dieses Monuments erbaut“ war. (Engling, 1847)

Die meisten von Alexander Wiltheim aufgezeichneten Reliefbilder aus den Kirchenmauern in Waldbillig, stellen Rebstöcke mit Ranken, Blättern und Weintrauben dar. Da der Wein in der christlichen Religion als Bestandteil der Eucharistie, während der Messfeier benutzt wird, wurden sie beim Bau des Gotteshauses als christliche Motive erkannt und für würdig befunden dessen Aussenmauern zu schmücken. Mit Sicherheit befanden sich am römischen Denkmal ebenfalls Reliefs mit Motiven aus der griechisch-römischen Mythologie. Diese wurden, als Götzenbilder entlarvt, eventuell verdeckt eingemauert oder zerstört. Beim Neubau der Kirche von 1779, wurden bestimmt alle brauchbaren Steine der alten Kirche im neuen Mauerwerk wieder verwendet, dass damals keine Rücksicht auf den geschichtlichen Wert der römischen Reliefs genommen wurde, lag vielleicht am Pfarrer selbst, der keine heidnischen Bilder an seiner Kirche duldete.

Unter Pfarrer Heinrich Nany, welcher von 1732-1777 in Waldbillig wirkte, fand eine Erweiterung der hl. Patrone statt. Im Visitationsbericht vom 28. August 1750, werden erstmals als Patrone der Pfarrkirche, die hll. Petrus und Paulus genannt.

In seiner „Chronik von Waldbillig“ beschreibt Michel Rodange (1827-1876), unser in Waldbillig geborener Nationaldichter, das an einem Felsen in bas-relief ausgehauene Bildnis des „Schwaarze Mann“ am „Aale Wee“, der uralten Wegverbindung Waldbillig-Müllerthal-Berdorf. Michel Rodange schreibt u .A.: „Es ist dies eine gewandlose, aufrechtstehende menschliche Gestalt; sie hat beide Hände auf den Kopf gelegt und dieses brachte mich auf den Gedanken, es sei das Bild des hl. Quriny, der Schutzpatron der Kirche von Waldbillig, weil auch dieser in hiesiger Kirche in derselben Haltung steht.“

Der Historiker Joseph Hess (1889-1973), schreibt zum selben Thema in seinem Buch „Altluxemburger Denkwürdigkeiten“, 1960: „… Höchst erwähnenswert gliedert sich der Schilderung dieses Reliefs das Quintinusbild in der Pfarrkirch in Waldbillig an. Dieses Dorf ist sehr alt und wird 789 erwähnt. St. Quintinus, dessen Hände vor seiner Enthauptung mit zwei Eisennägeln an den Kopf gefesselt wurden, wird nirgends (sonst) im Lande verehrt, allerdings an vielen Orten des Somme-Départements, auch in Montquintin bei Virton in Südbelgien. Die Stadt St. Quentin an der Somme ist nach ihm benannt. Die Haltung des Heiligen entspricht genau derjenigen des „schwarzen Mannes“ am Felsen nahe der Ortschaft Müllerthal. Soweit eine Mutmassung vertretbar ist, wäre der Heilige Quintinus als Nebenpatron der Pfarrkirche von Waldbillig wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Felsrelief auserkoren worden, um die Verehrung der „Pagani“ von dem nackten Heidenbild ab – und dem christlichen Heiligen zuzulenken.“

Die Pfarrkirche in Waldbillig galt bis nach dem Zweiten Weltkrieg als Pilgerort für die Nachbardörfer. Am 24. Dezember wurde hier der heilige Quintinus um Hilfe gegen Kopfschmerzen und Keuchhusten (coqueluche, les quintes de toux) angerufen. Gleichzeitig mit dem Pilgertag, war kleine Kirmes in Waldbillig. Es gab aber ein Problem mit der Vigil von Weihnachten, wo Abstinenz geboten war, also kein Fleisch konsumiert werden durfte. Um diese Hürde zu überwinden, wurde der pilgernden Verwandtschaft Bohnen mit getrockneten Zwetschgen aufgetragen. Wegen der unmittelbaren Nähe zu Weihnachten, verlegte Pfarrer Gilbertz nach dem letzten Krieg, die Quintinusfeier auf den Fastnachtsdienstag. Dadurch ging leider die Quintinusverehrung verloren.

Etwa 40 m oberhalb des Felsbildreliefs, befindet sich direkt neben dem Weg eine kleine Nische in den Felsen gehauen, in ihr befand sich bis vor einigen Jahren ein Kruzifix . Unter diesem Kreuz ist folgender Text in den Felsen eingraviert:

„O Jesu süs bei deinem Creux und Leiden
Lehr uns der Weld Wollust meiden
1713“

O JESV SVS BEI DEINEM CREVX VND LEIDEN
LEHR VNS DER WELD WOLLVST MEIDEN
1713

Der deutsche Text ist in lateinischen Buchstaben verfasst. Die Römer kannten weder U,K,Z oder W, deshalb wurde für U die römische Form V, für K der C, für Z der X und für die beiden W zwei ineinander gekreuzte V verwendet.

Der Hinweis auf der Welt Wollust, bezieht sich eindeutig auf die unbekleidete Figur am unterhalb gelegenen Felsen. Da es sich bei dem Felsbildrelief mit Sicherheit um eine heidnische Gottheit handelt, ist ein Christianisierungsversuch, durch die Einführung der Quintinus-Verehrung in der Waldbilliger Pfarrkirche nicht auszuschliessen, sondern sehr naheliegend.

Die Verwendung von römischen Lettern für den deutschen Spruch, 40m oberhalb des „Götzenbildes“, deuten auf den Pfarrer hin, denn wer ausser diesem benutzte damals, 1713, die lateinische Schrift. Hier käme Pfarrer Nikolaus Weingart, von 1688-1731 Pfarrer in Waldbillig in Frage. Das Datum unter dem Text am Felsen wäre eventuell ein Anhaltspunkt zur Datierung der wertvollen, antiken Holzstatue des hl. Quintinus in der Pfarrkirche! Eventuell zusätzlich für die Sonderstellung der Quintinus-Verehrung in Waldbillig und deren Ursprung.

Das barocke Kirchenmobiliar, Hochaltar, Kanzel und Statuen, wurde 1779 aller Wahrscheinlichkeit aus der alten Kirche übernommen. Im Mittelpunkt des Hochaltars steht eine ausdrucksvoll skulptierte Pieta. Über ihr tragen sieben Engelputten die Passionswerkzeuge. Die aus Eichenholz geschnitzte Gruppe, mit ausgehöhlten Rücken wird einem Dorfhandwerker aus Waldbillig zugeschrieben. In seiner Chronik schreibt Michel Rodange : „Eine Schmerzens-Maria mit dem Leichnahm ihres Sohnes Jesus Christus auf dem Schoss auf dem Hochaltar ist von sehr guter Wirkung. Allgemein wird der Oehmchen Märten aus Schilkes für den Künstler gehalten, der diese Bilder gemacht hat. Bestimmtes weiss ich aber nicht darüber. Sicher ist es aber, dass der Genannte sehr geschickt in dergleichen Arbeiten war und, dass er die Kanzel in der Kirche von Eppeldorf gemacht hat…“

François Decker (1969) glaubt diesen Oehmchen Märten identifiziert zu haben. Er schreibt, dass der Name Schiltges oder Schilkes in den Pfarrbüchern zwischen 1688 und 1755 genannt wird. Nach diesem Datum gäbe es einen Wagner und Tischler namens Michel Kolkes. Dem Ehepaar Michel Kolges wäre am 21. Februar 1775 ein Sohn geboren worden, der den Namen Martin erhielt. Wie sein Vater wurde er Wagner und Tischler. Sein Sterbedatum fand Decker allerdings nicht in den Zivilstandsregistern von Waldbillig. Alle diese Hypothesen bleiben reine Spekulationen, allein das Geburtsdatum 1775 gibt genügend Anlass zu Vorbehalten.

Die in vieler Hinsicht bemerkenswerte Pieta auf dem Hochaltar in Waldbillig, ist ein Meisterwerk der Handwerkerkunst im ländlichen Milieu. Egal wer ihr Schöpfer ist, er hält den Vergleich mit jedem berühmten Künstler, ob Maler oder Bildhauer aus. Der Gesichtsausdruck, gezeichnet vom unermesslichen Schmerz der Gottesmutter, welche ihren toten Sohn in den Armen hält, ist kaum zu übertreffen. Joseph Hirsch schreibt in einem Artikel der Zeitschrift Hémecht 1968, unter dem Titel: „Vierges de Pitié luxembourgeoises“, folgenden Vergleich: „ …on dirait une réplique bien simplifiée de la Lamentation admirablement modelée d’Annibal Carrache au Louvre.“

Der gemarterte Kopf des Erlösers ruht auf dem rechten Arm seiner Mutter, während der rechte Arm ihres toten Sohnes ihr linkes Knie streift und zu Boden gleitet. Der leblose linke Arm wird von einem Engel mit seinen Händchen hochgestemmt, um dem Betrachter die Wundmale der linken Hand zu zeigen.

Die in Holz geschnitzten Statuen der beiden Kirchenpatrone Peter und Paul, sind zu beiden Seiten des Hochaltars aufgestellt. Das reichgeschnitzte Tabernakel befindet sich unter der Pieta und stellt die Krönung Mariens dar. Zwei anbetende Engel auf beiden Seiten des Tabernakels, vervollständigen die harmonische Komposition des barocken Hochaltars, welcher aus dem frühen 18. Jahrhundert stammen könnte.

Die ebenfalls barocke Kanzel, mit den vier grossen, abendländichen Kirchenfürsten im Relief geschnitzt, fügt sich ebenbürtig in das vorhandene, wertvolle Kirchenmobiliar ein.

Fünf antike Rokoko Beichtstühle möblieren die Seitenwände im Kirchenschiff. Darunter der wertvollste, neben dem Herz-Jesu Altar. Er diente als Vorlage zur Herstellung der übrigen, welche zweifellos in handwerklicher Wertarbeit, in einer dörflichen Schreinerei in Waldbillig als naturgetreue Repliken kopiert wurden. Sie dienen als Podeste, für die gottseidank, den in vielen Kirchen des Landes stattgefundenen Bildersturm nach dem 2. vatikanischen Konzil, überlebten aus Holz geschnitzten wertvollen Statuen der Volksheiligen Quintinus, Wendelin, Hubertus, Rochus und Franz Xaver.

Während der Rundstedt –Offensive im Dezember 1944, gingen alle Kirchenfenster zu Bruch. Sie wurden nach dem Krieg, nach einem Entwurf des Luxemburger Künstlers Camille Croat ersetzt.

 

Die Pfarrkirche von Waldbillig war vollständig ausgemalt. Besonders wertvoll war der Chorbogen, welcher 1934 von dem berühmten Kirchenmaler Nikolaus Brücher aus Ellingen bei Mondorf, ausgemalt wurde. Dieses herrliche Wandgemälde wurde leider vor Jahren, unter dem damaligen Bischof Léon Lommel (1893-1978), von 1956-1971 fünfter Bischof unseres Landes, bei einer Renovation der Kirche, rücksichtslos, teilweise überstrichen. Ganz aus ihrem Zusammenhang gerissen, wirkten die übrig gebliebenen Figuren, wie Abziehbilder an der nackten Wand. Es ist kaum nachvollziehbar, wie Kunstkenner ein vorher intaktes Gemälde ohne ersichtlichen Grund, mutwillig zerstören oder verstümmeln können. Bei der jetzt anstehenden Renovation der Kirche, ist das ursprüngliche Gemälde durch den Restaurator bereits freigelegt und erstrahlt nach der Restauration wieder in neuem Glanz. In seiner Gesamtheit stellt die Malerei Brüchers die drei Geheimnisse des Rosenkranzes dar, von links nach rechts gesehen:

  1. Der freudenreiche Rosenkranz, betrachtet die Inkarnation und das verborgene Leben Christi. Bei Brücher symbolisiert durch die Verkündigung des Engels an Maria (Quem, Virgo, concepisti).
  2. Der gloreiche Rosenkranz, betrachtet die Auferstehung Christi. In der Kirche von Waldbillig dargestellt durch die Krönung Marias im Himmel (Qui te, Virgo, in coelis coronavit).
  3. Der schmerzhafte Rosenkranz, betrachtet die Passion Christi. Dargestellt durch die Szene mit Christus im Ölgarten (Qui pro nobis sanguinem sudavit).

Bei der mühevollen Abtragung mehrerer Farbschichten im Innern der Pfarrkirche kamen alte Fresken zutage, welche durch ihre farbenfrohe Symbolik als erhaltenswert zu betrachten sind. Überall finden sich pausbäckige Engelsköpfe, flankiert von ihren Flügeln. Im Chor winden sich Weinranken und Trauben empor, zusammen mit Getreideähren sind es Symbole der Eucharistie.

Die „Uergelfrënn Waldbëlleg“ wurden bereits 1996 gegründet und sammelten eifrig das nötige Kapital zusammen, um eine Pfeifenorgel im Gotteshaus zu installieren. Von Anfang an war klar, dass eine Orgel nicht vor einer gründlichen Renovierung der Pfarrkirche angeschafft werden könne. Erst durch eine, der Innenarchitektur angepasste Pfeifenorgel, findet die Restaurierung der Kirche von Waldbillig ihren krönenden Abschluss.

Im Augenblick läuft die Prozedur zur Klassierung der herrlichen Pfarrkirche als nationales Denkmal. Wenn alles gut geht, erstrahlt das prachtvolle, wertvolle Gebäude bis Ende 2014 in neuem Glanz.

 

Marcel Ewers

 

Bibliographie:

  • Chorale Ste. Cécile, 1989, Waldbëlleg 1989, Livre d’Or, édité à l’occasion du Centenaire de la Chorale Ste. Cécile.
  • Decker François, 1969, Waldbillig-Christnach-Haller-Müllerthal, Geschichte der Gemeinde und Pfarrei.
  • Engling Jean, 1847, Die Gemeinde Waldbillig archäologisch-statistisch dargestellt, Publications de la Section Historique de l’institut G.-D. de Luxembourg.  
  • Engling Jean, 1880, Das Müllerthal sonst und jetzt, Druck und Verlag Peter Brück.
  • Ewers Marcel, 1996, Das gallo-römische Grabdenkmal des C. Sattonius in Waldbillig, Gemengebuet N°2.
  • Hess Joseph, 1968, Altluxemburger Denkwürdigkeiten.
  • Hirsch Joseph, 1968, Vierges de Pitié luxembourgeoises, Hémecht 2-3.
  • Keiser Jean F., 1989, Die Pfarrei Waldbillig vor 100 Jahren, Waldbëlleg 1989.
  • Langini Alex, 2008, d’Par Chrëstnech an hier Kierch, 1) An der Par Waldbëlleg bis 1808, in 200 Jar Par Chrëstnech.
  • Neyen Auguste, 1842, Luciliburgensia sive Luxemburgum Romanum.
  • Rodange Michel, 1974, Michel Rodange-Gesamt Wierk, Chronik von Waldbillig, Hsg.: Cornel Meder.
  • Seiler Emile, 2002, Die Gemeinde Waldbillig und die Abteistadt Echternach, in Waldbëlleger Musek, Centenaire.
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  • Welter Cécile, 1989, Die Pfarrei Waldbillig, Waldbëlleg 1989.
  • Zahn E., 1974, Die Igeler Säule bei Trier.
  • Zenthöfer Jochen, 2013, Der Marienthal-Code, in Monumentum, Band 1.